Die Zeichen stehen auf Sturm

Autoliv: Unverständnis und Empörung bei der heutigen Betriebsversammlung

(03.12.2020) Auf der heutigen Betriebsversammlung bei Autoliv in Elmshorn konnten aufgrund der Corona Schutzmaßnahmen nur die etwa 60 Mitarbeiter*innen der Frühschicht persönlich anwesend sein, mehr als 450 TeilnehmerInnen nahmen online an der Versammlung in der Crashhalle teil. Die Erwartung der Beschäftigten, endlich mehr Informationen zum angekündigten Personalabbau zu erhalten, war groß. Insbesondere wurde das Management vom Betriebsrat aufgefordert, den Betroffenen zu begründen, warum ihre Arbeitsplätze in den nächsten 2,5 Jahren nach Ungarn verlagert werden sollen. Aber es gab kaum neue Informationen vom Management und die geforderte Begründung wurde nicht gegeben. Stattdessen verwiesen die Verantwortlichen für Autoliv in Elmshorn an das europäische Management des weltweit tätigen Konzerns. Es gäbe „keine betriebswirtschaftliche Begründung in der deutschen Gesellschaft“ für die Schließung der Produktion in Elmshorn, sondern dies erfolge „vielmehr vor dem Hintergrund strategischer Ausrichtungen“.

Der Betriebsratsvorsitzende Klaus Brüggemann berichtete auf der Betriebsversammlung vom Treffen des europäischen Betriebsrates Anfang dieser Woche. Hier kamen in einer Videokonferenz insgesamt 15 ArbeitnehmervertreterInnen aus 9 Ländern der EU (D, E, EST, F, GB, HU, PL, S, RO) zusammen. In getrennten Präsentationen des globalen und des europäischen Managements wurde die Lage des Unternehmens und das bisherige und erwartete Geschäftsergebnis des Konzerns dargestellt.

Brüggemann: „Der Konzern hat gerade in Europa bislang den Umsatzeinbruch in der Automobilindustrie sehr gut bewältigt. Die Gewinnerwartung bleibt für das laufende Jahr nur geringfügig hinter der Planung zurück, weil man sehr schnell drastische Personalanpassungen vorgenommen hat.“ So hat man sich in den osteuropäischen Standorten sofort von mehreren hundert Leiharbeitskräften getrennt, aber auch die Stammbelegschaft wurde erheblich reduziert.

Zusätzlich wurden an allen europäischen Standorten soweit wie möglich staatliche Hilfen wie das Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen. Auch in Deutschland hat so das Unternehmen nach Angaben des Betriebsrates erhebliche Einsparungen bei Löhnen und Gehältern erzielt. Inzwischen ist jedoch der Anteil der Leiharbeitskräfte in Europa wieder stark angestiegen, weil der Umsatz mehr als erwartet angezogen hat.

Davon losgelöst beharrt Autoliv auf einem weiteren angeblich notwendigen Personalabbau und der zusätzlichen Verlagerung der Arbeitsplätze von West- nach Osteuropa, damit der Konzern langfristig "überlebensfähig" sei. Für die europäischen ArbeitnehmervertreterInnen klingt dies wie blanker Hohn, gerade auch angesichts der steigenden Coronafälle in Osteuropa.

Brüggemann: „Hier zeigt sich wirklich, dass nur zählt, wie ein gutes Ergebnis noch gesteigert werden kann. Autoliv ist der Marktführer und will diese Position auf Kosten der Beschäftigten weiter ausbauen.“

Zum Thema Leiharbeitskräfte bei Autoliv berichtete der Betriebsrat, dass er nun in einem weiteren Verfahren vor dem Arbeitsgericht Elmshorn einen Erfolg erzielen konnte. Bislang konnte das Unternehmen in Elmshorn mit Zustimmung des Betriebsrates 15% der benötigten Arbeitskräfte als Leiharbeitnehmer in der Produktion einsetzen. Diese Vereinbarung hat der Betriebsrat zum Jahresende gekündigt, nachdem die Schließungsabsicht bekannt gegeben wurde. Autoliv hat diese Möglichkeit noch in den letzten Monaten genutzt und beschäftigt seit September ca. 20 Leiharbeitskräfte, was nach der Berechnung des Betriebsrates schon zu viele sind. Außerdem hat das Unternehmen angekündigt, diese Leiharbeitnehmer auch über das Jahresende hinaus weiter einzusetzen.

Hierüber wollte der Betriebsrat in einer Einigungsstelle mit dem Arbeitgeber reden, was dieser verweigerte. Daraufhin hat der Betriebsrat beim Arbeitsgericht die Einsetzung einer Einigungsstelle beantragt. Am 25.11.2020 hat das Arbeitsgericht Elmshorn diesem Antrag gegen den erklärten Willen von Autoliv stattgegeben und die Einigungsstelle eingesetzt. Ob Autoliv gegen diese Entscheidung Rechtsmittel einlegen wird, blieb auf der Betriebsversammlung auch unbeantwortet.

Vorab wurden dem Management Fragen aus der Belegschaft zur Beantwortung übermittelt, die aber allesamt ebenfalls unbeantwortet blieben. Gewerkschaftssekretär Thorsten Ruhland kommentiert den Verlauf der Betriebsversammlung so: „Die Betroffenen hatten sich Antworten auf ihre Fragen erhofft und sind umso mehr enttäuscht, dass offenbar ihre Sorgen um den Arbeitsplatz nicht ernst genommen werden. Die Kolleginnen und Kollegen sind nun erst Recht nicht mehr bereit, dies tatenlos hinzunehmen!“

Laut Betriebsrat und IG Metall wird die Stimmung bei der Belegschaft immer entschlossener, um den Erhalt der Arbeitsplätze zu kämpfen und so deutet in der Vorweihnachtszeit alles auf einen Konflikt hin, der sich zu einem Arbeitskampf bei Autoliv in Elmshorn ausweiten kann.

IG Metall Unterelbe
Kontakt: Kai Trulsson
(0170-3333385)

Betriebsrat Autoliv Elmshorn
Kontakt: Klaus Brüggemann
(01516-4918517)

IG Metall Unterelbe
Kontakt: Thorsten Ruhland
(0160-5331361)

:: Presseerklärung IGM - BR Autoliv: Unverständnis und Empörung bei der heutigen Betriebsversammlung (PDF | 143 KiB)



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